Moderne Onkologie - Standards und Perspektiven 2017

Ärztliche Fortbildungsveranstaltung des Tumorzentrum Oberfranken e. V., des Ärztlichen Kreisverbands Kronach und der Onkologischen Schwerpunktpraxis Dr. med. Peter Anhut in der HELIOS Frankenwaldklinik Kronach

Eine Zusammenfassung von Rainer Glissnik, Neue Presse Kronach 27.10.2017

Es tut sich viel bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Die oberfränkischen Ärzte sind enorm interessiert, hautnah am medizinischen Fortschritt für ihre Patientinnen und Patienten teilzuhaben. Dazu trägt auch ein alljährlicher Fortbildungstag mit herausragenden Referenten bei, den das Tumorzentrum Oberfranken mit örtlichen Partnern in der Kronacher Frankenwaldklinik veranstaltet.

Kronach – Es gibt eine deutliche höhere Überlebenszeit, wenn Krebserkrankungen in Brustbereich und am Magen möglichst zielgerecht und individuell behandelt werden. Dies wurde beim Fortbildungstag von Tumorzentrum Oberfranken, Ärztlichem Kreisverband Kronach und der onkologischen Schwerpunktpraxis Dr. Peter Anhut in der Helios Frankenwaldklinik deutlich. Wesentlich ist bei allen Maßnahmen eine gute Lebensqualität. Bald wird es auch neue Therapiemöglichkeiten geben

„Wir haben uns entschieden, diese Veranstaltung mit hochkarätigen Referenten zum Bereich Onkologie erneut an der Helios Frankenwaldklinik in Kronach zu veranstalten“, erklärte der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kronach, Dr. Uwe Fleischmann. Dieses Jahr standen Magen und Thoraxbereich im Mittelpunkt.

Dr. Frank Schlund (Internistische Praxis Kronach) zeigte Möglichkeiten auf, die erkrankten Stellen deutlicher sichtbar zu machen. In bestimmten Fällen ist eine endoskopische Behandlung gut möglich. Dabei gibt es zwei Techniken zur endoskopischen Resektion. In Japan ist Magenkrebs deutlich häufiger als bei uns, weshalb es dort mehr Spezialkliniken für die schwierigere Methode gibt. Es gibt eine Abtragung des Tumors in mehreren Schritten oder die deutlich komplexere Entfernung auf einmal. Dr. Schlund zeigte Möglichkeiten auf, um die Lebensqualität zu verbessern, etwa um die Ernährung sicherzustellen. Magenkrebs werde leider meist oft erst spät erkannt, was die Heilung sehr erschwert.

Wünschenswert wäre, die Erkrankung schon früher zu erkennen, meinte Professor Dr. Georg Pistorius (Chefarzt für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Klinikum Bamberg). Tumorstadium und Lokalisation sind sehr wichtig, auch biografische Daten spielen eine wesentliche Rolle. Der Chefarzt am Bamberger Klinikum mahnte insbesondere die Bedeutung der Diagnostik an. Die Endosonografie zeigt die Ausdehnung des Tumors auf, aber auch Abgrenzungen zu Nachbarorganen und Adern. Chirurgen brauchen für die Planung einer Operation genaue Informationen über die Lage des Tumors. Eine saubere Entfernung von Lymphknoten ergibt eine deutlich höhere Überlebensrate. Diskutiert wurde auch die Frage, wann zusätzlich eine Chemotherapie erfolgen sollte.

Den heutigen Stand medikamentöser Therapien erläuterte Onkologe Dr. Peter Anhut. Magenkarzinome gehören zu den Erkrankungen mit nicht so guten Prognosen. Rund 25 Prozent der Betroffenen haben eine Langzeitüberlebenschance. Bevor der Chirurg tätig wird, kann in vielen Fällen medikamentös vorbereitet werden. „Das machen wir seit einer großen Studie im Jahr 2006.“ Dort wurde ein deutlicher Vorteil bei der Überlebenschance durch Vor- und Nachchemotherapie sichtbar. Auch palliative Chemotherapie verlängert das Überleben.

Ein Blick in die Zukunft ist die beginnende Immuntherapie. Für über zwei Millionen Euro inklusive Baukosten wurde vor einem Jahr an der Klinik für Nuklearmedizin der Klinikum Bayreuth GmbH unter der Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. Stefan Förster Nordbayerns modernster PET/CT Scanner in Betrieb genommen, der krebs- und demenzgefährdeten Patienten Sicherheit gibt. PET/CST steht für Positronen Emissions Tomographie mit Computertomografie. Mit dem PET/CT lassen sich in einer einzigen Untersuchung sowohl kleinste Krebsherde im Millimeterbereich zuverlässig erkennen und hochpräzise lokalisieren als auch Eiweißablagerungen und Stoffwechselveränderungen im Gehirn von Demenzpatienten sehr frühzeitig erfassen.

Der Patient wird in einer einzigen Untersuchung mit beiden Verfahren durch in Ganzkörperuntersuchung untersucht. „Es ist eine Technik mit großer Zukunft“, ist sich Dr. Stefan Förster sicher. Der Chefarzt schwärmte von besserer Bildqualität, besserem Auflösungsvermögen, exakteren Messergebnissen, geringerer Strahlenbelastung und kürzerer Verweildauer von 15 Minuten. Auch im Zusammenhang mit neuer Immunmedizin könne die Tumorcharakterisierung zielgenau erfolgen.

Magenkarzinome werden leider nicht ausgehen, startete Professor Dr. Gerhard G. Grabenbauer seinen Vortrag mit einem Hinweis auf unsere manchmal nicht gesunde Ernährung. Ösophaguskarzinome (Magenkrebs) sind sehr aggressiv und bedürfen einer aggressiven Therapie. Wenn ein Tumor klein ist, soll eine voroperative Radiochemotherapie ausgeführt werden. Allein zu operieren, bedinge eine hohe Rückfallquote. Radiochemotherapie vor einer Tumoroperation bei Magen- oder Bronchialkrebs kann die Überlebensrate um 30 Prozent erhöhen. „Wir müssen in jedem Individualfall den besten Weg finden, erläuterte Dr. Grabenbauer.

Dr. Astrid Pfitzer, die in Kronach eine pneumologische Facharztpraxis leitet, konnte keine Hoffnung zur Früherkennung beim Bronchialkarzinom durch Screening – also Testverfahren – machen. Starkraucher werden Menschen mit 30 Pack-Years bezeichnet, also wer dreißig Jahre lang eine Schachtel am Tag geraucht hat. Risikogruppe sind vor allem Starkraucher oder Menschen mit beruflichen Belastungen. Vorschläge aus den USA zeigten sich als unrealistisch. Wirksame Früherkennungsprogramme in Deutschland sind nicht in Sicht. Als Pneumologin kann sie Röntgenbilder machen und im Einzelfall zum CT schicken. Viel besser wäre es, die Prävention zu stärken und dort mehr Geld hineinzugeben. In Bayern gäbe es viel zu wenig Angebote, erklärte sie auf Frage nach Entwöhnungsprogrammen. In Thüringen gab es derartige Angebote mit einer Erfolgsquote von 50 Prozent.

Aktuelle Operationsmethoden in der Thoraxchirurgie zeigte Dr. Bernd Linsmeier (Leiter der Thoraxchirurgie am Klinikum Bayreuth), der einst hier an der Frankenwaldklinik erste medizinische Schritte bei Dr. Thorolf Hager machte. Er berichtete von verschiedenen operativen Maßnahmen. Wichtig seien Techniken mit denen Chirurgen gut zurecht kommen. Zukunft seien roboterassistierte Systeme. Die Chirurgie muss sinnvoll eingesetzt werden. Vor 15 Jahren gab es nur platinbasierte Chemotherapie mit kurzer Wirkung und starken Nebenwirkungen, erinnerte Chefarzt der Pneumologie Dr. Rumo Leistner am Klinikum am Bruderwald der Sozialstiftung Bamberg. Heute gäbe es eine Vielfalt wirksamer Behandlungsmöglichkeiten. Je nach Art des Bronchialkarzinoms gibt es heute etliche Wege. Es wurde auch gelernt, bestimmte Stellen an Tumoren zu blockieren.

Leitender Oberarzt Dr. William Sterlacci am Institut für Pathologie, Klinikum Bayreuth, zeigte auf, wie die Pathologie bei der Behandlung und Diagnose von Krebserkrankungen – hier speziell bei Lungenkrebs – mitwirkt. Dazu gehören auch Mutationsanalysen.

Rainer Glissnik 

Galerie
  • von links: Dr. Frank Schlund (Internistische Praxis Kronach), Professor Dr. Georg Pistorius (Chefarzt für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Klinikum Bamberg), der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kronach Dr. Uwe Fleischmann und Onkologe und Vorstandsmitglied des Tumorzentrum Oberfranken Dr. Peter Anhut. Foto: Rainer Glissnik
  • von links, der Vorsitzende des Tumorzentrums Oberfranken sowie Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie Professor Dr. Gerhard Grabenbauer, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kronach Dr. Uwe Fleischmann, Onkologe und Vorstandsmitglied des Tumorzentrums Oberfranken Dr. Peter Anhut, Dr. Stefan Förster (Klinikum Bayreuth), Dr. Astrid Pfitzer (Pneumologin, Kronach), Dr. Rumo Leistner (Chefarzt der Pneumologie, Bamberg), Dr. William Sterlacci (Pathologie, Klinikum Bayreuth) und Dr. Bernd Linsmeier (Thoraxchirurgie, Klinikum Bayreuth). Foto: Rainer Glissnik

Die Region Oberfranken ist bei der Behandlung von Krebserkrankungen gut aufgestellt. Bei einer Fortbildungsveranstaltung des Tumorzentrum Oberfranken mit örtlichen Partnern in der Kronacher Frankenwaldklinik mit kompetenten Referenten.

Render-Time: 0.429722